Narrenkappe

Geschichte:
Als im 19. Jahrhundert die Narrenkappe zur symbolischen Kopfbedeckung der organisierten Narren wurde, war sie noch aus Papier gefertigt und am Aschermittwoch öffentlich verbrannt worden.
Längst werden die Narrenkappen und Prunkmützen aus dauerhaften Stoffen hergestellt und mancher Senior weigert sich vehement, seine sichtbar in die Jahre gekommene Kappe gegen eine neue austauschen zu lassen. Vielleicht ist dies einer der Gründe, weshalb viele Gesellschaften ihr Ehrenkomitee mit „besonderen Prunkmützen“ ausstatten?
Formen:
Die bekanntesten Formen und ihre häufigsten (heimlichen) „Spitznamen“:
Die „Schiffchenform“ wird manchmal auch „Aachen“ genannt und ist fast immer das Leichtgewicht unter allen Narrenkappen. Den Nachteil, daß ihre Oberkante gerne einknickt, überwinden Insider durch den Trick mit dem an den Enden eingrundeten federnden Metallbügel, der sich innen ohne irgendwelche Befestigung selbst fixiert, weil es die breiteste Stelle im Kappenraum ist.
Die mehrspitzigen Formen werden gerne in zwei Gruppen aufgeteilt, in die „Kölner Form“, wenn die großflächige Hauptspitze nach rückwärts zeigt (s. Abb. unten) und die „Mainzer Form“, wenn die Hauptspitze nach vorne zeigt.
Von diesen drei Formen werden selbst bei fertig zu kaufender Katalogware hunderte von Mustern auf dem Markt angeboten, von denen der größte Teil im Einzelverkauf an Privatpersonen landet.

Eine eher seltenere Form, die sehr deutlich an einen Hahnenkamm erinnert, entdeckt man in manchen südwestlichen Regionen, vereinzelt auch in Österreich.

 

Viele Gesellschaften, Vereine und Clubs bzw. deren Abteilungen lassen sich ihre speziellen Narrenkappen anfertigen, manche sogar in unterschiedlichen Ausstattungen für die verschiedenen Gruppierungen, Ämter oder Titel, auch als Miniaturmützen für Damen. Die meisten Hersteller sind da sehr flexibel.

Materialien:
Der Stoff heutiger Narrenkappen ist am häufigsten die Atlasseide, einige Manufakturen fertigen auf Wunsch auch Narrenkappen aus Uniformstoffen, es gibt aber auch hochwertigste Kombinationen aus Samt und Brokat (sh. Abb.) oder Samt und Lurex. Bei diesen Kombinationen kann allerdings das Gewicht einer Kappe in Vollausstattung mit Kurbelstickerei, Strasssteinen und Quaste(n) die 300g-Marke übersteigen.
Federn:
Hochwertige Narrenkappen haben in der linken Seite (vom Träger aus gesehen) serienmäßig Federntaschen eingebaut. Zur Bestückung mit Federn wie Straußenfedern (meist sogenannte Straußenplatten, mit 50-70 cm) oder Fasanenfedern (die teuersten sind die des Königsfasans bis 1,5 m) gibt es eigentlich nur eine „stille“ Faustregel: Federn gehören nur an die Kopfbedeckungen von „Aktiven“ wie Prinzen, Präsidenten, Komiteemitgliedern, Elferräten, sowie von Ehrenmitgliedern, welche früher aktiv waren (diese verzichten aber bei manchen Veranstaltungen darauf, so auch im Ehrenkomitee Indersdorf).
Bei im Publikum sitzenden Besuchern ist das Tragen von Federn in den meisten Regionen nicht üblich! Auskunft darüber holt man sich vom Ordensmeister der gastgebenden Gesellschaft, evtl. noch vom Hofmarschall. Präsidenten sollte man mit derartigen Fragen generell nicht belasten.

 

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