Hofstaat

Wer gehört genau genommen zum (närrischen) Hofstaat?

Wenn in Fachvorträgen der Faschingsakademie diese Frage auftaucht, weiß der Dozent: „Jetzt geht’s los!“. Kaum eine andere Frage wird eine derartige Diskussion auslösen.

Man kann sich bei diesem Thema nicht einmal auf die Vergangenheit berufen! Selbst bei Hofe des Mittelalters gab es diesbezüglich keine einheitliche Norm. Mal gehörten zum Hofstaat ausschließlich die grundsätzlich adeligen Personen, welche dem Herrscher(paar) im Dienst am nächsten standen wie Hofdamen, Mundschenk und Leibarzt, mal gehörten zum Hofstaat auch Diensthabende ohne sogenannten „Herrscherkontakt“ wie der Oberhofjäger, der Hofkapellmeister oder der Oberstallmeister, manchmal auch Nichtangestellte wie der (selbstständige) Hofsilberschmied und der „von der Kirche angestellte“ Hofbeichtvater.

Und hier die häufigsten Fragen in Diskussionsrunden:

Zählte der Hofnarr im Mittelalter offiziell zum Hofstaat?

Wenn man bedenkt, daß Hofnarren häufig nicht nur der Belustigung bei Hofe dienten, sondern sehr oft die cleversten Berater des Herrschers waren (einem Hofnarren verdankte man nachweislich zwei voneinander unabhängige jeweils hundertjährige Friedensverträge), dürfte die Antwort nicht schwer fallen.

Zählt das Prinzenpaar zum Hofstaat?

Definitiv: Nein! Ein Hofstaat war immer „Der Hofstaat des Herrschers“! Und fast immer hatte die Gattin des Herrschers ihren eigenen Hofstaat, zu welchem in erster Linie ihre eigenen Hofdamen zählten. Und falls sich die Königin einen eigenen Leibarzt hielt, konnte das dem König nur recht sein. Denn das gesamte Hofpersonal, also auch der Hofstaat der Gattin einschließlich des Leibarztes, war dem König auskunftverpflichtet… mit einziger Ausnahme des Hofbeichtvaters.

Zählt der Hofmarschall zum Hofstaat?

In allen Herrscherhäusern war der Hofmarschall ein unverzichtbares festes Mitglied des Hofstaates. Im heutigen Faschingswesen hat der Hofmarschall aber meistens ein stark erweitertes Amt. Er ist häufig Programmkoordinator und Moderator in einer Person. Viele Karnevalisten sehen den Hofmarrschall aufgrund seiner heutigen Funktion eher als Bindeglied zwischen Präsidium und Hofstaat, zumindest bei Auftritten.

 

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