Faschingssprüche aus Oberbayern

 

K i n d e r g e d i c h t e :

 

Lustig is de Fasenacht,
wenn de Mama Kiache’n bacht.
Wenn sie aber koane macht,
dann pfeif’ i auf de Fasenacht!
(Kiache = bayrisches Schmalzgebäck)
Freche Kinder ersetzten das Wort „pfeif’“…

 

Waar Fasching moi ás ganze Joahr
wos i gern mächt’,
na gaabats koane Ostaoar.
Und des waar schlecht.

 

Im Fasching zogen maskierte Kinder von Haus zu Haus, um sich vorzustellen und um Süßigkeiten zu bitten:
I bin a kloanal Maschkara
und hob an groß’n Sock
und weil i no nix drinna hob,
drum bitt i um a Gob’.

 

Und wenn die Kinder an einem Haus mit Geizhälsen (knickert = geizig) vorbei kamen, in welchem sie bei der Sammlung als Sternsinger (Dreikönigstag, 6.Januar) enttäuscht wurden:
Zu dene brauch ma gor net nei,
de gem uns oiwei z’wene’;
de wer’n bestimmt so knickert sei
wia heier an Dreikeene!

 

Früher war es in einigen Landbereichen üblich, daß die Kinder als Weihnachtsgeschenk von der Oma das (selbstgenähte) neue Faschingskostüm bekamen:
Naht de Muatta ´s Maschk’ragwand,
is’s Gaudete umanand.
D’Muatta gibt as Gwand da Mamm,
de legt’s untern Tannabaam,
sogt, daß des vom Christkind is
alle Kinder glaam des g’wiß.
(„Gaudete umanand“ ist die Zeit um den 3.Advent, „Muatta“ war die Oma, die Mutter war die „Mamm“)

 

Im Fasching 1966 wollte ein Rektoratsmitglied eines in Obb. hochgeschätzten Domgymnasiums in einem Klassenzimmer bekanngeben, daß zwischen Faschingssonntag und Aschermittwoch der Schulbetrieb entfällt.

In der Hektik passierte ihm das Mißgeschick eines kleinen Datum-Verdrehers.

Er verkündete:

„Das Gymnasium bleibt von Aschermittwoch bis zum darauffolgenden Faschingssonntag geschlossen!“

Der Jubel war unbeschreiblich.

 


 

für  E r w a c h s e n e :

 

Ein bayrischer Pfarrer sagte Ende der 70er Jahre in seiner Predigt am Faschingssonntag:
„Der Fasching wär’ ein Geschenk des Himmels,
wenn der Teufel derweil schlafen tät’.“

 

Dazu paßt der Spruch aus einer Zeit, in der man einen Maskenball noch „Redoute“ nannte:
War d’Redutt am Samsdog schee,
muaßt am Sonndog beichtn geh’.

 

Und etwas heftiger:
Ois Jungfer gehst zum Maschk’raboi,
beim hoamgeh’ sogst: „Des war amoi…“.

 

Über dieses Thema gab es damals auch Witze. Hier ein Beispiel:
Am Faschingssonntag spricht der Pfarrer vor der Kirche einen jungen Burschen an: „Gestern Nacht hab ich Dich mit einem Mädel hinter der Kirchenmauer beim Küssen gesehen. Kommst’ nach der Messfeier zur Beichte!“
Da erwidert der Bursch: „Nein, Herr Pfarrer, ich komm erst am Aschermittwoch, dann rentiert es sich erst richtig!“

 

 

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